Bettina Bergauer: Die Energiewende wird unsere Lebensgewohnheiten zum Positiven verändern!

Interview mit unserer Vorständin Bettina Bergauer, Gemeinderätin in Deutsch-Wagram.

Petra Schön und Bettina Bergauer an der Ortseinfahrt Deutsch-Wagram. Foto: Klimabündnis NÖ

Die Klimakrise drängt, der Druck steigt – Kraft tanken ist umso wichtiger. Wo können Sie am besten klimafreundlich entspannen?

Bettina Bergauer: Ich mache gerne ausgedehnte Spaziergänge auf Feldwegen in und um Deutsch-Wagram und entlang des Marchfeldkanals. Entsprechend der Jahreszeit gibt es immer etwas Neues zu entdecken an Blumen, Kräutern oder Wildfrüchten.

Ihre Gemeinde ist seit 1997 Klimabündnis-Gemeinde. Was ist ihr Lieblingsprojekt?

Bergauer: Die Energiewende lässt sich nicht mit einem Projekt bewerkstelligen, daher möchte ich mich jetzt nicht auf eines beschränken. Wir haben viele tolle Projekte. Unser letzter Kindergarten wurde nach dem klimaaktiv Gold-Standard gebaut. Wir haben bereits viele Gemeindegebäude mit Photovoltaikanlagen ausgestattet und erarbeiten gerade ein Radbasisnetz.

Was hat Sie motiviert, sich als Vorstand im Klimabündnis NÖ zu engagieren?

Bergauer: Die Energiewende wird unsere Lebensgewohnheiten zum Positiven verändern - sie führt zu mehr Gesundheit und Lebensqualität in Einklang mit der Natur. Es ist wichtig, dass die Menschen verstehen, was die Problematik ist, nämlich, dass wir mit unserer Lebensweise die natürlichen Ressourcen der Erde und auch Menschen auf anderen Kontinenten ausbeuten. Das Klimabündnis ist für mich ein Übersetzer, der versucht, gegenseitiges Verständnis für diese unterschiedlichen Lebenswelten zu schaffen. Klimabündnis fördert den Austausch, versorgt Gemeinden mit Material, zeigt Möglichkeiten auf, unterstützt und begleitet Gemeinden in eine nachhaltige Zukunft zu gehen. Das ist genau das, was wir brauchen.

Foto: Klimabündnis

Das Herzstück des Klimabündnis ist die Partnerschaft mit der FOIRN. Welches Bild haben Sie im Kopf, wenn Sie an den Rio Negro denken?

Bergauer: "Ich war selbst vor einigen Jahren am Amazonas und konnte dort die Lebensweise der Indigenen und deren Sorge über den Regenwald in persönlichen Gesprächen kennen lernen. Diese Reise wird mir mein Leben lang in Erinnerung bleiben. Die Menschen dort sind unsere Brüder und Schwestern, die genauso wie wir, ein moralisches Anrecht auf ein gutes Leben haben. Von ihnen können wir lernen, wie man im Einklang mit der Natur leben kann, ohne sie auszubeuten.

Bis 2040 soll Österreich klimaneutral werden. Was hat sich bis dahin positiv in ihrer Gemeinde verändert?

Bergauer: Es gibt ein attraktives Angebot an öffentlichem Verkehr, damit ist kaum mehr jemand auf das eigene Auto angewiesen. Ein dichtes Netz an sicheren Radwegen ermöglicht es, dass auch Kinder gefahrlos mit dem Rad zur Schule fahren können. Es wurden einige Nahwärmenetze errichtet, die mit Biomasse, Geothermie und Solarenergie gespeist werden. Ein großer Wärmespeicher ermöglicht es, die Wärme vom Sommer in den Winter zu bringen. Dadurch fällt die Abhängigkeit vom Gas für Heizung und Warmwasser weg. Dreiviertel der Gebäude sind mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet. Es wird keine Energie mehr verschwendet. Es wird nur dort beleuchtet, wo es gerade gebraucht wird, Wärme wird aus dem Abwasser zurückgewonnen. Kaum jemand besitzt noch selbst ein Auto, weil ohnedies an jeder Ecke Elektroautos stehen, die man leihen kann. Ladestationen gibt es an jedem Laternenmast. Der Müll ist nur ein Viertel von vor 20 Jahren. Für Verpackungsmaterial muss man extra bezahlen, sodass sich die Menschen daran gewöhnt haben, mit dem eigenem Einkaufssackerl und -gefäßen unterwegs zu sein.

Factbox

  • Klimabündnis-Gemeinde: Deutsch-Wagram im Bezirk Gänserndorf
  • Klimabündnis-Aktivitäten der Gemeinde
  • Gemeinderätin seit 2015, Vorsitzende im Prüfungsausschuss
  • Vorständin des Klimabündnis NÖ seit 2021
  • Beruf: BMK, VI/Stabsstelle Dialog zu Klimaschutz und Energiewende
  • Familie: verheiratet, 4 erwachsene Töchter
  • Lebensmotto: Ich halte es wie Immanuel Kant: Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt.
Foto: Klimabündnis
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