Neue Klimazeitrechnung in Brasilien

Unter Präsident Lula da Silva wird das Ministerium der indigenen Völker geschaffen

(c) Kamikia Kisedje

2023 beginnt eine neue Klimazeitrechnung in Brasilien. Unter Präsident Lula da Silva wird das Ministerium der indigenen Völker geschaffen, das auch in Sachen Umwelt- und Klimapolitik ein aktiver Player sein wird. Der Präsident unserer Partnerorganisation FOIRN vom Rio Negro, Marivelton Baré, wurde in die Kommission gewählt, die die Agenden des zukünftigen Ministeriums ausarbeitet. Das Klimabündnis gratuliert!

Brasilien unter Lula 2023: Kehrtwende in der Klimapolitik, neue Hoffnung für den Amazonas und uns alle?

Brasiliens scheidender Präsident Jair Bolsonaro hat den Amazonas als Trümmerhaufen hinterlassen. In seiner Amtszeit wurde eine Fläche so groß wie Belgien zerstört, illegale Brandrodungen und Landraub standen vier Jahre lang an der Tagesordnung. Die indigenen Völker wie auch die Kleinbauern erlebten ein unbeschreibliches Ausmaß an Gewalt. Morde, Vergewaltigungen und Entführungen blieben unbestraft, indigene Gebiete wurden laufend durch Goldgräber und die bewaffneten Handlanger der Viehzüchter überfallen.
Die Auswirkungen sind für uns alle spürbar: die CO2 Emissionen des Amazonas haben sich in diesem Zeitraum verdoppelt – und liegen erstmals über der CO2- Absorption des Regenwaldes!

COP 27 – ein Lichtblick für den Amazonas?

Der antretende Präsident Lula da Silva hat in einer bewegenden Rede bei der COP 27 in Sharm el-Sheikh der Welt angekündigt, dass er die Klimapolitik als zentrales Anliegen seiner künftigen Regierung versteht und seinen totalen Einsatz für den Regenwald versprochen. Dies will er durch eigene Ministerien und Regierungsstellen garantieren.

Marivelton Baré (c) Paulo Desana/RedeWayuri

Die besonders gute Nachricht für das Klimabündnis ist, dass der Präsident unserer Partnerorganisation FOIRN, Marivelton Baré, Mitglied der Übergangskommision ist. Als gewählter Vertreter der indigenen Völker des Rio Negro und somit des größten zusammenhängenden Feuchtgebietes des Amazonas steht er für den Schutz und die Umsetzung indigener und umweltpolitischer Rechte in der Region. Er stellt seine Erwartungen an die Kommission klar: “Die indigenen Rechte müssen jetzt in einem partizipativen Prozess wieder neu aufgebaut werden, sowohl das neue Ministerium als auch die staatliche Indigene Stiftung FUNAI müssen von indigenen Vertretern geleitet werden.” Marivelton verlangt, dass staatliche Politik nicht ohne Konsultationsprozesse mit den indigenen Völkern umgesetzt werden darf. Organisationsentwicklung, die Stärkung nachhaltiger Bewirtschaftungssysteme des Regenwaldes, die Förderung von Gemeinschaftsinitiativen und die Einkommensschaffung stehen auf der Besprechungsagenda. Indigene öffentliche Politik wird diesen Forderungen nachkommen müssen.

Dies bedeutet auch, dass die Arbeit, die in den letzten 30 Jahren in Zusammenarbeit mit dem Klimabündnis Österreich stattgefunden hat, in der Ausarbeitung der Agenden für das Ministerium wegbereitend sein wird. In unserer Projektregion am Rio Negro konnten, sogar unter der Regierung Bolsonaro, Abholzung und illegalem Landraub größtenteils Einhalt geboten werden. Dies ist der  starken Positionierung unserer Partner FOIRN und ISA und der guten Absicherung der Landrechte zu verdanken.

Das Klimabündnis Österreich als Partner

Brasilien 2023, unter Präsident Lula, hat sich mit dieser Agenda, und vor allem durch die Einbindung der indigenen Völker in die nationale Umweltpolitik, wieder als Keyplayer in Sachen Klimagerechtigkeit auf die Weltbühne katapultiert.
Das Engagement des Klimabündnis als internationaler Partner der indigenen Organisationen am Rio Negro wird daher in den nächsten vier Jahren noch stärker und positiver wirken, unsere projektbezogene, emanzipatorische Unterstützung - auch in Sachen Anwaltschaft auf nationaler und internationaler Ebene, ist wichtiger denn je. Schützen wir gemeinsam den Regenwald!

Für weitere Fragen stehen Kerstin Plass und Silvia Jura da Silva (0670 / 4004680) gerne zur Verfügung.

Silvia Jura da Silva, Projektleitung Klimagerechtigkeit

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