„Die Bevölkerung ist schon so weit“

Mit einem „Fastenkalender“ ermutigte Obritzberg-Rust BewohnerInnen zu einem klimafreundlichen Leben.

Foto: Marktgemeinde Obritzberg-Rust

Fasten fördert Klarheit. Wir verzichten dabei auf etwas, das nicht notwendig ist. Und wir erfahren, dass wir die eine oder andere Gewohnheit leicht verändern können – das kann sogar Spaß machen. Wir haben mit der Klimabündnis-Beauftragten Renate Hagmann einen Blick hinter die Kulissen geworfen.

Wie ist der Arbeitskreis auf die Idee gekommen, einen Fastenkalender zusammenzustellen?

Die Bewusstseinsgruppe innerhalb unseres Klimabündnis-Arbeitskreises ist sehr gut aufgestellt. Viele BürgerInnen brachten Textgefühl, Layout-Expertise und Erfahrung im Druckbereich ein, um dieses Projekt umzusetzen. Wir haben das ExpertInnenwissen genutzt, um die Bevölkerung zum Nachdenken und vor allem zum Handeln zu bringen. Im Fastenkalender finden Interessierte Anregungen für einen klimafreundlichen Alltag. Jede Fastenwoche widmen wir einem Thema, zu dem wir uns ein paar Tipps überlegt haben. Wir wollten Hintergrundwissen mit einfachen Anregungen zum Nachmachen verbinden.

Wie ist die Idee in Obritzberg-Rust angekommen?

Wir waren beeindruckt vom Engagement vieler Freiwilliger. Den Fastenkalender bekam jeder Haushalt in der Gemeinde. Unzählige fleißige BürgerInnen halfen dabei, alle Briefkästen im Gemeindegebiet zu erreichen, um die nachhaltig gedruckten Kalender zu verteilen. Es war leider etwas schwer festzustellen, wie viele tatsächliche Aktionen daraus entstanden, aber die Rückmeldung aus der Bevölkerung war sehr positiv!

Woran arbeitet der Arbeitskreis Obritzberg-Rust-Hain gerade?

Corona hat auch unseren Arbeitskreis verändert. Bei realen Treffen waren immer über 40 Menschen. Bei unseren Online-Besprechungen sind es aktuell im Schnitt etwa 10. Wobei ich es als sehr positiv auffasse, dass wir nun mehrere GemeinderätInnen begrüßen durften. Auch Vorträge, von denen wir vor Corona einige sehr interessante veranstaltet haben, wirken online nicht wie gewünscht, aber wir schaffen es, uns auf diese neue Situation einzustellen. Gerade erst haben wir eine KlimaBilanz erstellt, um die größten CO2-Einsparpotenziale in der Gemeinde auszumachen und unser Potenzial abzuschätzen.

Wir haben uns allerdings bewusst dazu entschieden, dieses Jahr keinen Fastenkalender mehr anzubieten, weil wir gesehen haben, dass die Zeit bereits für uns gearbeitet hat. Vieles kam in Bewegung, bei uns ist es einfach nicht mehr notwendig, die breite Bevölkerung zu sensibilisieren. Die Menschen beschäftigen sich schon intensiv damit. Die GemeindevertreterInnen von Obritzberg-Rust haben begriffen, dass die Klimakrise Maßnahmen fordert und wir haben erkannt, dass es nun Zeit ist, sich auf eine breitere Ebene zu begeben. Weg von den Einzelnen, hin zur gesamt-gesellschaftlichen Perspektive.

Sie beschäftigen sich privat intensiv mit der Gemeinwohl-Ökonomie, kann dieses Modell die Lösung sein?

Für mich ist es das Wirtschaftsmodell der Zukunft. Gemeinwohl-Ökonomie orientiert sich an den Werten, die auch in den SDGs, den globalen Zielen für nachhaltige Entwicklung, wichtig sind. Für mich ist dieser Ansatz das fehlende Puzzleteil für Ziel 8 – Menschenwürde, Arbeit und Wirtschatswachstum – hier sehen wir praktisch, wie es gehen kann.

Durch eine 20-Felder-Matrix mit Werten in Beziehung zu den Berührungsgruppen, die systematisch abgearbeitet werden, erlangt man einen 360 Grad Nachhaltigkeitsblick auf Unternehmen und Gemeinden. Durch dieses praxistaugliche Werkzeug können SDGs einfach fokussiert und verwirklicht werden. Es ist wichtig, dass sich Gemeinden mit ihrem eigenen Wirkungskreis beschäftigen. Wir sind dazu mit einigen anderen Klimabündnis Gemeinden im ständigen Austausch. Gemeinwohl-Ökonomie ist eine große Chance, um BürgerInnen einzubinden, verstärkt auf ökologische und soziale Nachhaltigkeit zu setzen und ein Vorbild für andere Gemeinden und Betriebe zu sein. Somit eignet sich die Gemeinwoh-Ökonomie ideal als Entwicklungsinstrument – besonders für Klimabündnis-Gemeinden.

nach oben

X

Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich mit dem Einsatz von Cookies einverstanden. Mehr Informationen