Nachhaltig feiern
mit dem „Spüli“

Mit einem mobilen Geschirrmobil vermeiden die Gemeinde Lermoos und der Tuifl Verein Einwegmüll bei Festen. Wie aus einem Green Event eine Lösung für viele wurde.

Vom Green Event zum mobilen Geschirrmobil

Feste und Veranstaltungen gehören zum Gemeindeleben dazu. Gleichzeitig entstehen dabei oft große Mengen an Abfall – insbesondere durch Einweggeschirr. Dass es auch anders geht, zeigen die Gemeinde Lermoos und der Tuifl Verein Lermoos mit ihrem mobilen Spülanhänger „Spüli“.

Die Idee entstand aus einer nachhaltigen Veranstaltung: Der Tuifl Verein organisierte 2025 das erste Maifest in Lermoos nach den Kriterien von GREEN EVENTS TIROL basic. Dabei wurde deutlich, dass nachhaltige Veranstaltungen gut funktionieren – Mehrweg statt Einweg, regionale Produkte und eine durchdachte Mülltrennung kamen bei Besucherinnen und Besuchern und auch bei der Gemeinde gut an.

Ein wichtiger Baustein war dabei die Verwendung von Mehrweggeschirr. Aus den Erfahrungen des Green Events entstand schließlich eine Idee mit langfristiger Wirkung: Ein mobiler Spülanhänger, der nicht nur dem Verein selbst, sondern vielen Veranstalter:innen in der Region zur Verfügung steht. Denn nachhaltige Lösungen werden besonders wirksam, wenn sie gemeinsam genutzt werden und möglichst viele davon profitieren.

Im Interview

Von der Idee zur Umsetzung

Im Interview erzählt Daniel Euler (Tuifl Verein Lermoos), wie das Projekt entstanden ist und welche Erfahrungen bisher gesammelt wurden.

Wie seid ihr erstmals auf das Thema nachhaltige Veranstaltungen aufmerksam geworden? Welche Erfahrungen habt ihr mit eurem Green Event gemacht?

Daniel Euler: „Eigentlich wollten wir nur ein Maifest machen. Dann hat es im Bezirk eine Infoveranstaltung von Klimabündnis Tirol zum Thema Green Events gegeben. Wir haben uns gedacht: „Warum eigentlich nicht?“ Oft hört man, dass nachhaltige Veranstaltungen kompliziert, teuer oder nur etwas für Profis sind. Wir hatten den Mut, es einfach auszuprobieren und zu zeigen, dass es auch für einen Brauchtumsverein ganz unkompliziert funktionieren kann.

Also haben wir unser Maifest nach den Kriterien von GREEN EVENTS TIROL basic organisiert. Natürlich braucht es ein bisschen mehr Planung, aber vieles ist einfacher als man denkt. Unsere Erfahrungen waren durchwegs positiv: weniger Müll und viel positives Feedback. Das hat uns gezeigt, dass nachhaltiges Feiern nicht nach Verzicht aussehen muss, sondern nach einem gelungenen Fest mit guter Stimmung. Und vielleicht konnten wir damit auch anderen Vereinen zeigen, dass man sich ruhig drübertrauen kann.

Und das Beste: Niemand hat sich beschwert, dass es zu sauber war.“

Wie entstand die Idee für den „Spüli“?

Daniel Euler: „Die Grund-Idee ist aus der Praxis heraus gewachsen. Wir haben über Jahre hinweg hochwertiges, gebrauchtes Geschirr von Gastronomiebetrieben gesammelt, weil es viel zu schade zum Wegwerfen ist. Damit konnten wir unsere eigenen Veranstaltungen bereits nachhaltiger ausrichten.

Wir hatten irgendwann so viel Geschirr gesammelt, dass wir uns gedacht haben: Wir müssen eben was bauen, das es wieder sauber macht. Irgendjemand hat dann „Spülanhänger“ gesagt – und wir haben gesagt: „Passt. Machen wir.“ So entstehen bei den Lermooser Tuifl die besten Ideen.“

Welches Problem wolltet ihr damit lösen?

Daniel Euler: „Eigentlich mehrere gleichzeitig. Wir setzen bei unseren Veranstaltungen seit Jahren auf Mehrweggeschirr und haben dafür gebrauchte Spülmaschinen verwendet. Das Problem war nur: Wir waren damit irgendwann am Limit. Vor jedem Fest mussten wir uns aufs Neue überlegen, wie wir die Maschinen aufstellen, anschließen und sinnvoll in den Ablauf integrieren. Dazu kamen der Transport der Geräte und die ganze Logistik rundherum.

Gleichzeitig haben wir gesehen, dass viele Veranstalter aus Bequemlichkeit auf Einweggeschirr setzen. Und seien wir ehrlich: Auch mit den modernen Holzgabeln und Holzmessern lässt sich das Essen oft eher zerreißen als schneiden.

Mit dem Spüli wollten wir deshalb eine Lösung schaffen, die beides verbindet: echtes Geschirr und Besteck, kombiniert mit einer professionellen und einfachen Spüllösung direkt vor Ort. So wird nachhaltiges Feiern nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch deutlich komfortabler.“

Wie ist die Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und dem Tuifl Verein zustande gekommen?

Daniel Euler: „Die Gemeinde hat irgendwann gemerkt: „Die Tuifl meinen das diesmal ernst.“ Und wir haben gemerkt: „Auf die Unterstützung des Bürgermeisters können wir zählen.“ So hat sich das ziemlich schnell eingespielt. Heute ist es eine klassische Win-win-Situation: Die Gemeinde besitzt den Spüli, wir dürfen ihn nutzen.

Für uns ist das ein gutes Beispiel dafür, wie Gemeinden und Vereine gemeinsam etwas bewegen können. Jeder bringt seine Stärken ein und am Ende profitiert die gesamte Region davon.“

Nachhaltig feiern leicht gemacht

Viele Vereine oder Gemeinden möchten nachhaltiger veranstalten, verfügen aber nicht über die notwendige Infrastruktur. Genau hier setzt der „Spüli“ an.

Wie funktioniert der Verleih in der Praxis?

Daniel Euler: „Sehr unkompliziert: Anfragen kommen rein, wir schauen in den Kalender und dann heißt es „Spüli startklar“. Abgeholt wird er in Lermoos – mit Zugfahrzeug, versteht sich, er hat leider noch keinen Eigenantrieb.

Vor der Übergabe gibt es eine kurze Einschulung. Danach können die Veranstalter den Spüli eigenständig betreiben. Durch unser Geschirr, die beiden Gastrospülmaschinen, und das Zubehör ist alles dabei, was für einen reibungslosen Einsatz benötigt wird.“

Wie wird das Angebot angenommen? Welche Rückmeldungen habt ihr bisher erhalten?

Daniel Euler: „Die Rückmeldungen sind bisher sehr positiv. Viele finden die Idee spannend, weil sie nachhaltiges Feiern deutlich einfacher macht.

Die Reaktionen reichen von „Genial, warum gibt’s das nicht überall?“ bis „Ich hätte nicht gedacht, dass Spülen Spaß machen kann“. Besonders spannend ist der Moment, wenn klar wird: Das Ding funktioniert wirklich. Genau das freut uns besonders. Oft scheitern gute Ideen daran, dass sie kompliziert wirken. Der Spüli soll zeigen, dass Mehrweg und Nachhaltigkeit durchaus alltagstauglich sein können.“

Was waren die größten Herausforderungen bei der Umsetzung?

Daniel Euler: „Wie bei vielen Projekten ist die größte Herausforderung, aus einer Idee ein funktionierendes Gesamtkonzept zu machen. Man braucht die passende Technik, eine Finanzierung, geeignete Abläufe und natürlich Menschen, die das Projekt mittragen.

Zum Glück haben viele Partner an die Idee geglaubt. Mit Unterstützung der Gemeinde Lermoos, der Regionalentwicklung Außerfern und der LEADER-Förderung konnte das Projekt schließlich umgesetzt werden.“

Welche Voraussetzungen braucht es, um ein ähnliches Angebot aufzubauen?

Daniel Euler: „Ganz wichtig: ein bisschen Wahnsinn, viel Gemeinschaft und ein Bürgermeister, der bei „mobiler Spülanhänger“ nicht sofort davonläuft.

Außerdem hilfreich: Leute, die lieber anpacken als diskutieren. Technik kann man kaufen – Motivation muss man haben. Hilfreich ist auch, klein anzufangen und auf bestehende Ressourcen zurückzugreifen. Unser Geschirrpool ist über Jahre gewachsen. Nicht alles muss von Anfang an neu angeschafft werden.“

Welchen Tipp würden Sie anderen Gemeinden oder Vereinen geben, die eine ähnliche Idee umsetzen möchten?

Daniel Euler: „Nicht zu lange überlegen – einfach anfangen. Oft wirken nachhaltige Projekte am Anfang größer und komplizierter, als sie tatsächlich sind. Wenn man die ersten Schritte macht, merkt man schnell, dass vieles einfacher ist als gedacht.

Und man sollte keine Angst davor haben, neue Wege zu gehen. Nachhaltige Lösungen müssen praktikabel sein und zum Alltag passen. Wenn ausgerechnet ein Tuifl Verein zeigen kann, dass nachhaltiges Feiern funktioniert, dann können das andere Vereine ganz sicher auch. Nachhaltigkeit muss nicht perfekt sein – sie muss einfach gemacht werden.“

Gemeinsam statt jeder für sich

Der „Spüli“ ist damit ein echtes Good Practice Beispiel dafür, wie gemeinschaftliche Lösungen nachhaltiges Handeln einfacher machen können – ganz nach unserem Jahresmotto „Tirol im Wandel: Gerecht, mutig, miteinander“. Wenn Veranstaltungsteams ihre Lösungen teilen, und wir voneinander lernen können, profitieren alle davon – besonders unsere Umwelt.

Hier findet ihr Infos zum Spülanhänger und zur Ausleihe.

Nachhaltig veranstalten mit GREEN EVENTS TIROL

Der „Spüli“ unterstützt Veranstalter dabei, ein wichtiges Kriterium von GREEN EVENTS TIROL umzusetzen: Mehrweg statt Einweg. Wer ein echtes Green Event veranstalten möchte, sollte jedoch noch andere Bereiche berücksichtigen – von regionaler und fleischfreier Verpflegung über klimafreundliche Mobilität bis hin zu sozialer Verantwortung und Abfallvermeidung.

Veranstalter:innen können sich bei Green Events Tirol kostenlos beraten lassen und ihre Events als GREEN EVENT TIROL auszeichnen lassen. Die Initiative unterstützt mit einem umfangreichen Informationsangebot, einem Netzwerk aus Partner:innen und Anbieter:innen sowie hilfreicher Beratung dabei, Schritt für Schritt nachhaltiger zu veranstalten.

Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Einreichung gibt es unter www.greenevents-tirol.at.